Sehnsucht mein treuer Freund | Poetry slam

amely rose, fashionblogger in a classy maxidress in berlin - bw fashion editorial and photoshooting - statue Sehnsucht – mein treuer Freund und Weggefährte Desire – wie schön es auf englisch klingt.
So leicht und poetisch, ein wenig melancholisch und doch so voller Leidenschaft. Wer von „desire“ spricht, scheint gefühlt das ganze Leben gesehen zu haben – hundert Leben gelebt – ein Weltenbummler, der sich nirgends zu Hause fühlt und doch so viel zu erzählen hat. Wer von „desire“ spricht, hat überall Freunde und isst die exotischsten Speisen, hat braungebrannte Haut und Salz in den Haaren. Wer von „desire“ spricht sitzt in seinem Schaukelstuhl auf der Veranda und weckt Fernweh in den Herzen seiner unzähligen Enkelkinder.

Doch ich habe Sehnsucht.
Mich holt die kalte Realität ein. Deutschland – das Land der Dichter und Denker und niemand fand ein besseres Wort für dieses Gefühl? Eine Sucht?
Und ich habe sie, diese Sehnsucht – und daran ist nichts leicht oder poetisch.
Ich träume davon, hundert Leben gelebt zu haben, doch koste ich dieses eine nicht mal ansatzweise aus. Es fühlt sich an, wie auf der Stelle laufen. Die Jahre ziehen vorbei und obwohl man rastlos taumelt, scheint man sich doch nicht bewegt oder gar entwickelt zu haben. Alles wird auf „später“ verschoben.

„Ach, das?- Das ist nur ein Übergangsjob – Ach, eigentlich ist es nicht der beste Studiengang, den man sich wünschen kann, aber es sind doch nur 3 Jahre.“ Und plötzlich merken wir, dass wir uns durch quälen, immer wieder das Beste verlangen und doch nur das Mittelmaß geben. Wir lassen die Jahre vorbeiziehen und doch wollen wir uns marschieren sehen. Selbstsicher und stetigen Schrittes Richtung TRAUM.
Aber ist nicht der Weg das Ziel? Und bestimmt die Art wie wir ihn gehen, seine Qualität? Ist unser Weg weniger wertvoll, wenn wir taumeln oder stehen bleiben um die Blumen am Wegesrand zu bestaunen? Können wir überhaupt noch genießen, ohne Reue etwas verpasst zu haben und diesem Gefühl „vielleicht etwas zu verpassen“ ständig hinterherhecheln?
Ist es das Überangebot an allem, was uns stocken lässt? Das Besser und Schöner der Andere das mit unserem eigenen Glück ständig konkurriert?
amely rose, fashionblogger in a classy maxidress in berlin - bw fashion editorial and photoshooting - statue amely rose, fashionblogger in a classy maxidress in berlin - bw fashion editorial and photoshooting - statue Nun muss man nicht mehr aktiv einen Partner suchen und freut sich über diese Eroberung – und wenn wir schon von der Couch aus Kilometerweit nach rechts wischen, können wir auch gleich sitzen bleiben. Fiese Screenshots machen von dummen Anmachsprüchen, aber selber nicht den Mut haben, um den süßen Typen in der Bahn anzusprechen.
Ist es das unterbewusste Gefühl, dass jeden Moment etwas Besseres um die Ecke kommen kann und das dieses „Bessere“ UNS auffordert? Lässt es uns so sehr zögern, dass wir gar nicht mehr weiter gehen, sondern warten, was um die Ecke kommt? Uns dann nicht mal mit dem zufriedengeben, was unseren Weg kreuzt, denn vielleicht kommt gleich etwas noch besseres. Oder meiden wir einfach die Verpflichtung indem wir uns niemals binden? Das „Young, wild and free“ ist das „alt, einsam und bedürftig“ von morgen.
Und wer zum Teufel sagt mir was „das Bessere“ ist? Denn scheinbar überall und zu jeder Zeit habe ich diese Sehnsucht danach.
Klar, hier fühle ich mich nicht wirklich wohl, aber fühle ich mich woanders wohler?
Und wo ist „woanders“? Wo ist das Gras grüner und kann ich es von der Couch aus sehen, um zu entscheiden, ob ich mich wirklich auf den Weg machen will?

Diese Sehnsucht treibt mich an – treibt mich Richtung Wahnsinn, mit jedem Windstoß spüre ich es in mein Ohr seufzen „mach was aus deinem Leben – mach was Bedeutendes – was dich gleichzeitig glücklich macht“.
Diese Sehnsucht jagt, schneller und schneller. Raubt mir den Schlaf und vergiftet meine Gedanken. Sie ist ein verräterischer Weggefährte, der dir mit jeder Sekunde die innere Uhr vor Augen hält und dich doch um wertvolle Zeit betrügt.
Ich laufe, haste und doch – doch habe ich das Gefühl zu stehen! Und zu warten.

Während also mein inneres um sein Leben rennt – nach dem Sinn seines Lebens.
Währenddessen warte ich, ob etwas Besseres um die Ecke kommt.
Und nun verrate mir, wie soll das funktionieren, wenn ein Teil von mir kopflos hastet und der Andere naiv wartet?
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Und nun verstehe ich es. Sehnsucht ist eine Sucht, sie vergiftet unser Herz und trübt unsere Gedanken, wenn wir zu viel von ihr kosten. Doch gleichzeitig treibt sie mich an. Sie ist ein willkommener Freund, mit dem ich lachen und weinen kann, der mir einen guten Ratschlag gibt und diesen vielleicht doch zu derb verpackt. Einen Ratschlag, den ich oftmals zu spät verstehe und doch genau rechtzeitig.
Und auch wenn ich mir oft wünsche, dass dieser Freund endlich geht, mich endlich aufhört zu belasten und meine Brust schwer atmen lässt. So freue ich mich jedes Mal, wenn er mich an die Hand nimmt und zeigt, dass sich Sehnsucht lohnt. Dass ihr zu folgen sich lohnt, denn – auch wenn es nicht immer leicht ist, stehen zu bleiben, sein Glück in fremde Hände legend zu warten, ob was Besseres kommt – bringt dich nicht näher an dein Ziel.

Ich habe ein anderes Wort für Sehnsucht – ein guter, treuer Freund. Ein Teil von mir, der nur das Beste will. Der mich antreibt und nicht jagt, doch das musste ich erst verstehen.
Ich umarme dich, mein treuer Freund und Weggefährte.

(Danke an meine Oma, für ihre Inspiration und ständiges Anhören solcher Gedanken).
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34 Gedanken zu „Sehnsucht mein treuer Freund | Poetry slam

  1. Also ganz ehrlich die Bilder sind toll . Dramatisch und sehr Stilvoll . Hinreißend schön . Ich muss gestehen . Ich habe den Text nicht so genau gelesen . Ich war immer zu abgelenkt von den Bildern. einfach klasse :))
    LG und eine schöne Woche für Dich

  2. Du schöne tiefgründige Romantikerin, schon die Bilder, die solch eine Kraft versprühen und die Kulisse sind grandios. Und es sind Sehnsuchtsbilder, ja!
    Wie ein Bühnenauftritt, dein Post, der ein Stückchen von der inneren Welten offenbart und diese Facette von dir zeigt, die so vieles vereinigt: Die Hauptdarstellerin, die es genießt die zu sein, die sie ist, die ihrer Freiheit und der Lust und der Freude am Leben den Raum schenkt und ausfüllt, die um die Macht des Genießens und der Lebensfreude weiß und sich nicht scheu, dem Ausdruck zu geben.
    Ich mag diese skorpionische Tiefgründigkeit, die sich nicht verkneifen kann, aus dem Verborgenen zu schöpfen und mit solch einer Offenheit und auf eine besondere Art und Weise darüber, was dich bewegt, zu sprechen. Ich sehe Magie und ich sehe Harmonie, es ist wie ein Zauber… Diese Bilder zeigen mir auch… du bist dabei die Welt zu erobern, und es ist die ewige Sehnsucht, die treibende Kraft ist, die Vision ist! Meine Güte, was für ein Schatz deine Oma ist und wie stolz sie sicherlich auf dich ist!
    Küsschen, deine Grażyna

    1. OH Sehnsuchtsbilder, so habe ich es noch gar nicht betrachtet. Aber eine süße und wunderschöne Art es auszudrücken.
      Und jetzt muss ich schlucken – danke für die wirklich, lieben worte und wie tiefgründig du diesen Post betrachtet hast <3
      Danke danke danke 🙂
      Und wie witzig, dass du den skorpion aufgreifst (meinst du das Tier oder das Sternzeichen?) Wenn es um Tiere geht träume ich von mir tatsächlich immer von der Schlange - also gar nicht so weit weg. Aber als Sternzeichen bin ich ein Stier, durch und durch 😉 wobei meine geliebte kleine Schwester Skorpion ist und ich sie um so viele Eigenschaften bewundere, wie stärke, Klasse, Intelligenz und eine kühle Schonheit.

      1. Ja, ich weiß, dass du Stier bist, das hast du schon geschrieben.
        Mit Skorpion meine ich Sternzeichen Skorpion, der ein tiefgründiges Wesen ist, der nach der Wandlung und nach Transformation verlangt.
        Wie alle sind sehr komplex und außer den Sonnenzeichen vielschichtige Anteile von anderen Sternzeichen in uns tragen, die sich je nach Guburtsradix unterschiedliche „Bühnen“ suchen, um ihre Themen dort zu leben:))

  3. Und sie ist doch eine Sucht. Hast es ganz richtig erkannt. Die deutsche Sprache drückt die Dinge schon richtig aus, viel besser noch als andere Sprachen. Denn sie sieht dahinter. Zu viel (Sehn-)Sucht vergiftet das Herz und die Seele. Zu viel Schwere macht schwermütig, nicht wahr? Es ist oft schwer, den Mut zu finden, zurück zur Leichtigkeit.

    Wow! Die Fotos! Sieht auch ganz schön gefährlich aus btw. Leichtigkeit und heile Fußknöchel wünscht Dir Maren
    P.S.: tolle Oma!

  4. What a thought-provoking article! That sentence about not talking with a cute guy on a train because subconsciously we know there are always other fish in the sea really got me thinking. I think doesn’t only apply to single people, it applies to all of us. Internet has created an opportunity for us to connect with other people more easily and yet at the same time it has distanced us from others. This doesn’t only apply to our romantic life, but to friendships as well. It is easy to get lost in the digital world and forget to live in the moment. There are millions of people online and we can talk to all of them- and yet we (as a society) struggle in establishing real meaningful friendships and relationships. This is a very interesting subject.

    This article is not only interesting. It is also so beautifully written….like a poetry! I loved what you said about desire. It is something that moves us, that motivates us, something that can’t be controlled but it can be understood…at least partially. Beautiful maxi dress btw. I love how you are posing next to the monuments. Amazing photos. You look stunningly beautiful!

  5. Ich weiß jetzt gar nicht womit ich anfangen soll, Text oder Bilder? Beides ist der Hammer und passt perfekt zusammen. So schön dramatisch.
    Und sicher ist das Streben nach dem Besserem ein Antrieb. Manchmal befürchte ich allerdings auch, dass einige die Wertschätzung für die kleinen Dinge verlieren. Ich bin oft selbst überrascht, was mich am Ende dann glücklich macht. Gerade als Teenager ist man ja von Sehnsüchten umgeben und kommt sich vor als würde man irgendwie feststecken. Da ist es wichtig, sich ab und zu klar zu machen, was wirklich wichtig ist. Ich habe irgendwo gelesen, dass, wenn man nicht ab und zu „stehenbleibt“ und sich besinnt, die eigene Persönlichkeit verloren geht.
    Also, insofern ist es wohl gut mehrere „Freunde“ zu haben. Ist vielleicht wie bei Menschen, da gibt es ja auch welche, die man nicht jeden Tag um sich haben will, obwohl man sie mag. Wenn Sehnsucht mein ständiger Begleiter wäre, würde ich vielleicht irgendwann aufgeben, weil dann das Gefühl festzustecken bleibt.

    Danke für deinen tollen Text, auch wenn er mich jetzt ganz nachdenklich in den Tag starten lässt. Auf jeden Fall begleitet mich jetzt eine Sehnsucht zur Schule: Die Sehnsucht nach den Sommerferien. 😉
    Wünsche dir einen schönen Tag mit ausgewogener Sehnsucht 🙂
    Liebe Grüße
    Charli von https://frischgelesen.de

    1. Charli du süße Maus du,
      danke für die lieben Worte und es freut mich, dass dir Text UND Bilder gefallen. <3
      Da sprichst du ein wichtiges Thema an, erst neulich habe ich mir einem Freund gesprochen was mir wichtiger ist, Reich sein oder Glücklich. Für mich war schnell klar glücklich
      und als ich dies definieren wollte habe ich gemerkt, wie komplex es ist wirklich glücklich zu sein, aber dass dies schon durch so kleine Taten und Dinge entstehen kann.
      Danke für die wundervollen Worte.

  6. Guten Morgen liebe Amely Rose, das suchende Sehnen, sich verzehren, begehren – eine Appetenz des Geistes. Ein herrlich lasziver Blick, doch bedeutest Du in diesen Bildern auch diese Sehnsucht, die Du ansehnlich im Post beschreibst.
    Ich erinnere mich, wie es sich anfühlte und er blieb, dieser Begleiter weiter an meiner Seite bis heute. Der Appetit hat sich sensibel geändert, ist differenzierter geworden und ein wenig ruhiger – und beflügelt mich weiter!

    Ein herzlicher Sonnengruß… zum Wochenende von Heidrun

  7. Hallo meine Liebe,
    oh ich bin ganz verliebt in die Bilder, die sind einfach nur Hammer geworden! Dramatisch!
    Der text ist dir wirklich gut gelungen, ich habe ihn förmlich verschlungen! Ich lese solche Beiträge viel lieber, als irgendwelche ernsten Texte!
    Ganz ganz liebe Grüße
    Julia
    http://www.aboutjulia.de

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